Was sind Anleihen und wieso sollten sie in dein Depot?

Anleihen

Was sind Anleihen?​

Eine Anleihe ist ein fest verzinstes Wertpapier. Also ein Wertpapier, welches in regelmäßigen Abständen einen festen Zinssatz zahlt.
(Die kleine Ausnahme sind Anleihen mit Sonderkonditionen, zum Beispiel die Koppelung an der Inflation.)
Anleihen werden auch Renten, Rentenpapiere, Obligationen oder im Englischen Bonds genannt.
Um sich Kapital zu beschaffen, geben Staaten oder Unternehmen am Anleihemarkt Papiere aus.
Wenn Unternehmen Anleihen herausgeben, werden diese Unternehmensanleihen genannt. Bei Staaten nennt man diese Staatsanleihen.
Was sind Anleihen

Tim investiert 5000€ in Rentenpapiere des Unternehmens Adidas, weil Adidas neue Investitionen tätigt und dazu Kapital braucht. Die Konditionen belaufen sich auf eine Haltedauer von 5 Jahre und einer Verzinsung von 2%. So zahlt Adidas unserem Tim jedes Jahr seine 2% Zinsen zurück. Das wären 100€ im Jahr.

Im 5. Jahr bekommt Tim seine letzten 2% Zinsen und sein investiertes Kapital von 5000€ zurück. So hat Tim durch die 5000€ Euro, die er 5 Jahre lang investiert hat, 500€ an Zinsen von Adidas bekommen.

Rentenpapiere können ebenfalls an der Börse gekauft und verkauft werden. Dazu unten mehr.

Wieso nehmen Staaten und Unternehmen Anleihen auf?

Staaten haben zwei Möglichkeiten sich zu finanzieren:
  • Steuern
  • Staatsanleihen
  • Staaten benötigen zusätzlich zu den Steuereinnahmen Fremdkapital, um den Staatshaushalt zu decken und um Investitionen tätigen zu können. Fremdkapital bedeutet geliehenes (fremdes) Geld.
    Unternehmen haben zwei Möglichkeiten sich zu finanzieren:
  • Herausgabe neuer Aktien
  • Unternehmensanleihen
  • Wann finanzieren sich Unternehmen?
    Expandieren
    Zum Expandieren müssen Unternehmen neue Investitionen tätigen. Dazu können der Bau einer neuen Fabrik oder der kauf neuer Maschinen gehören.
    Andere Unternehmen kaufen
    Das übernehmen anderer Unternehmen ist mit sehr hohen Kosten verbunden. Nicht selten werden hierzu neue Anleihen herausgegeben.
    Sich finanzieren
    Unternehmen, die noch  nicht profitabel sind, geben oft Aktien und Anleihen heraus um sich zu finanzieren. Dazu gehören Startups oder Unternehmen die Primär in der Forschung tätig sind.
    Insolvenz vermeiden
    Gerade in Krisenzeiten wie wir es derzeit mit Corona haben, rutschen vielerlei Unternehmen in die Insolvenz. Um dies zu verhindern, werden auch Bonds herausgegeben.

    Wieso eignen sich Anleihen zur Risikostreuung?

    Bonds weisen eine niedrigere Volatilität als Aktien auf und gelten als Risikoärmer. Damit gelten sie bei Anlageberatern und vielen professionellen Investoren als eine gute Ergänzung zu den eher schwankungsanfälligen Aktien. Rentenpapiere sollen die Verluste bei Crashs abdämpfen.
    Im Fall einer Insolvenz werden zuerst die Schuldner und dann die Anteilseigner bedient. Einfach ausgedrückt: Zuerst bekommen alle Anleger, die Anleihen eines Insolventen Unternehmens oder Staates ihr Geld und wenn von der Insolvenzmasse etwas übrig bleibt, wird diese unter den Aktionären verteilt.

    Was ist der Nachteil an Rentenpapieren?

    Ein Satz welches den Unterschied zwischen Aktien und Anleihen sehr gut beschreibt, ist diese Spruch:
    Wenn du gut Essen möchtest, kaufst du Aktien. Wenn du gut schlafen möchtest, kaufst du Anleihen.
    Rentenpapiere erwirtschaften weniger Rendite, als Aktien. Doch sie haben eine geringere Volatilität. Größere Krisen im Aktienmarkt tangiert sichere Renten großer Unternehmen im Normalfall relativ wenig. Aktuell sind einzelne Anleihen großer Firmen jedoch sehr unattraktiv. Aufgrund der niedrigen Zinsen sind hier sogar Negativzinsen keine Seltenheit.

    Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit

    Zinsen

    Italien

    1,4%

    Griechenland

    1,33%

    USA

    0,72%

    Spanien

    0,54%

    Portugal

    0,52%

    Irland

    0,09%

    Japan

    0,02%

    Belgien

    -0,04%

    Frankreich

    -0,04%

    Österreich

    -0,13%

    Finnland

    -0,17%

    Niederlande

    -0,22%

    Luxemburg

    -0,34%

    Deutschland

    -0,4%

    Gibt es noch sichere und Risikoarme Anleihen?

    Für Passive Investoren, die mit Anleihen ihr Risiko senken möchten, empfehle ich einen Renten ETF. Auch Bonds genannt. Auf diese Weise wird in sehr vielen Rentenpapieren gleichzeitig investiert. Im Schnitt haben Rentenpapiere eine Laufzeit von 4-7 Jahren, doch als Halter des ETFs kannst du natürlich kaufen und verkaufen wann du möchtest.
    Je nachdem ob du ein Staatsanleihen ETF oder einen Unternehmensanleihen ETF möchtest, kannst du von einer Rendite von 0,6% – 3% im Jahr ausgehen.
    Die Vorteile von ETFs sind die geringen Kosten und die Einfachheit. Du suchst dir einmal einen ETF (oder mehrere) und stellst dir deine Einmaleinzahlung oder deine Sparrate ein und den Rest macht der ETF. Ein weiterer Vorteil vom ETF ist, dass du in sehr vielen Rentenpapieren investiert bist und somit das Risiko einen Totalverlustes sinkt, sollte doch ein Emittent (Schuldner) Insolvenz gehen und du kannst einen ETF je nach Depot schon mit einem kleinen zweistelligen Betrag besparen. Viele Rentenpapiere kannst du erst ab 500€ besparen.
    Achtung: Halte dich fern von Jung Bonds und von Schwellenländer Bonds. Beide Rentenpapiere versprechen dir hohe Renditen, doch sind hoch Riskant!

    Wo kann ich Anleihen ETFs kaufen?

    Anleihen ETFs kannst du über dein Aktiendepot kaufen. Die günstigste Variante ist ein ETF Sparplan bei Trade Republic anzulegen. Dieser kostet dich nämlich nichts und du hast die Auswahl aus 86 verschiedenen ETFs. Ein Sparplan bedeutet eine gleichbleibende Rate über einen gleichbleibenden Zeitintervall zu investieren. Zum Beispiel 50€ alle 3 Monate. Du kannst den Sparplan jederzeit stornieren oder ändern.
    Über diesen Link bekommst du zudem 15€ auf deine erste Transaktion bei Trade Republic. Du kannst also ein ETF für 0€ besparen und bekommst 15€ geschenkt.
    Es gibt keinerlei Kontoführungsgebühren oder andere versteckte kosten.
    Ich empfehle dir den Ishares Infl. Gov. Bonds mit der WKN A0HGV1. Dieser ETF bildet die Wertentwicklung Inflationsgebundener Staatsanleihen der Eurozone nach.

    Kann ich Anleihen teurer wieder verkaufen?

    Wenn du einzelne Rentenpapiere kaufst, kann der Wert dieses Wertpapiers steigen und so die Zinsen sinken und anders herum. Ja du hast richtig gelesen:
    Wenn der Wert einer Rente steigt, sinken die Zinsen und wenn die Zinsen einer Anleihe steigen, fällt der Wert. Ich erkläre dir wieso.
    Anleihe
    Nennwert
    Der Nennwert ist der Wert zudem du die Rente gekauft hast. Die Wertänderung wird, nachdem du das Rentenpapier gekauft hast, nicht in Euro oder Dollar gerechnet, sondern in Prozent. Wenn dein für 100€ gekauftes Rentenpapier nun auf 102% steigt, ist dieser 102€ Wert.
    Kupozins
    Der Kupozins ist der Zins, der vom Emittenten festgelegt wurde. In diesem Beispiel wurde der Kupozins auf 4% bestimmt. Dieser Wert kann nicht verändert werden.

    Einfaches Beispiel:

    Du kaufst dir ein Haus und handelst mit deiner Bank einen Kreditzins von 1,2% aus. Nach 2 Jahren kannst du nicht zur Bank und niedrigere Zinsen verlangen, weil die Zinsen gefallen sind. Ebenso kann die Bank nicht nach 2 Jahren zu dir und höhere Zinsen verlangen, wenn das Zinsniveau wieder steigt.

    Laufzeit
    Die Laufzeit ist ebenfalls nicht veränderbar. In unserem Beispiel wurde eine Laufzeit von 6 Jahren ausgemacht.
    Doch wieso steigen und fallen die Anleihepreise, obwohl diese fest vereinbarte Konditionen haben?
    Anleihekurs
    Zinssenkung
    Dein Rentenpapier startet mit 100% an Wert. Sollte danach am Markt eine Zinssenkung stattfinden, wodurch Anleihen zu schlechteren Konditionen angeboten werden, steigt der Nennwert deiner Anleihe.
    Dies ist der Fall, weil es zum Zeitpunkt nachdem du die Rente kaufst, das Zinsniveau sich zum schlechteren ändert und der Markt viel weniger Zinsen gibt, du jedoch ein festen Kuponzins hast. Dein Kuponzins kann sich nicht nach unten regulieren, da jedoch dein Papier viel mehr Wert ist, erhöht sich somit der Preis, also der Nennwert deines Papiers.
    Zinserhöhung
    Das Zinsniveau erhöht sich wieder stark und die Zinsen auf dem Markt sind höher, als dein Kuponzins auf deiner Rente. Zwangsläufig verliert somit dein Rentenpapier an Wert. So sinkt der Nennwert.
    Bonitätsverbesserung
    Der Nennwert deiner Rente kann ebenfalls steigen, wenn das Unternehmen oder der Staat eine Bonitätsverbesserung bekommt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Emittent seine schuld begleicht, erhöht sich und das spiegelt sich positiv im Nennwert des Papiers wieder.

    Folgendes Szenario: 

    2 Jahre lang bekamst du jährlich deine 4% Zinsen auf dein Bond. Nun möchtest du diese nicht mehr länger halten, sondern verkaufen. Du hast also noch immer 4% Zinsen, jedoch mit einer Restlaufzeit von 4 Jahren.

    Es ist nun entscheidend zu was für Konditionen dieses Rentenpapier mit einer Laufzeit von 4 Jahren vom Emittenten aktuell angeboten wird und wie aktuell die Marktlage ist. Wird dies fürs Rentenpapier zum Verkaufszeitpunkt für 2% angeboten, so ist der Kurs deiner Anleihe weiter gestiegen und du kannst diese für 200€ verkaufen.
    Doch wieso? Weder Laufzeit, noch Kuponzins können sich ändern. Was sich jedoch ändern kann ist der Nennwert.
    Da der Markt aktuell ein viel niedrigeres Zinsniveau hat, als das Rentenpapier, welches du besitzt, ändert sich der Nennwert deines Papiers so, dass dieser genauso viel Rendite abwirft, wie die aktuellen Bonds. Das ist bei einem Nennwert von 200€ der Fall.

    Wo kann ich Anleihen kaufen?

    Über Smartbroker kannst du günstig Anleihen kaufen. Du zahlst für den Kauf von Anleihen bis 500€ nur 4€. Bei Wertpapieren über 500€ zahlst du nichts. Dies gilt auch für Aktien.
    Eine Alternative wäre die Commerzbank Tochter Comdirect. Bei der Comdirect zahlst du 3,90 Euro für 12 Monate. Bei beiden Depots hast du eine kostenlose Kontoführung.

    Was halte ich von Anleihen?

    Ich finde Anleihen sind eine schöne Beimischung im Depot. Sie senken das Risiko im Depot ganz stark. Jedoch machen Rentenpapiere nur einen kleinen Teil meines Portfolios aus. Das liegt daran, dass ich mindestens noch 20 Jahre an der Börse weiter investieren werde. Verluste werde ich aussetzen und dass mein Depot mal 60 – 70% an Wert verliert, nehme ich in Kauf. Denn das Geld werde ich ganz lange nicht brauchen und so werde ich auch wenn der Aktienmarkt die nächsten Jahre bergab geht, Aktien von denen ich überzeugt bin weiter halten und nachkaufen.
    Ein weiterer Punkt sind aktuell die sehr geringen Zinsen beim Anleihemarkt. Unter Umständen lohnt sich Festgeld hier mehr. Beim Festgeld ist der große Vorteil, dass bis einer Investitionssumme von 100.000€ pro Konto die deutsche Einlagensicherung greift und mich vor Verlusten schützt.
    Wenn ich 10 Jahre vor meiner Rente stehe, werde ich umschichten und den Anteil meiner Rentenpapiere im Portfolio erhöhen. Lies hierzu gerne meinen Beitrag darüber, Wie man Geld investieren sollte. Dort gehe ich auf 3 verschiedene Situationen ein und gebe dir ausführliche Tipps, wie du in deiner Situation investieren solltest.
    Du liest gerade: Anleihen

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